• Thomas Schnitzler

Ein Reisebericht vom Yellowstone

Aktualisiert: 20. Apr 2018

Der erste Bericht stammt vom Trapper John Colter aus dem Jahre 1808, er berichtete über die Landschaft, die Geysire und die Tierwelt. 1859 wurde vom Geologen Ferdinand Hayden die erste Expedition in das Gebiet unternommen. 1872 wurde das Land unter Schutz gestellt, der erste Nationalpark der USA wurde gegründet, ihm folgten zahlreiche weitere in Amerika und auf der ganzen Welt. 1978 wurde er zum UNSECO Kulturerbe ernannt.

Der Park hat eine Gesamtfläche von 9.000 km², er liegt auf einer Höhe von 1.900-2.600 Metern in den Rocky Mountains, im Staat Wyoming. Neben einer Straße, die in Form einer Acht den Park durchläuft, gibt es etwa 2.000 km Wanderwege.

Bei meinem ersten Besuch 2012 war eine der vielen Hütten des Hotels in Mammoth Hot Springs die Unterkunft. Die Lage hat sich als etwas ungünstig erwiesen, da es lange Autofahrten nötig machte um in die anderen Teile des Parks zu gelangen. Allerdings hatten diese Fahrten auch Vorteile, den gerade morgens und abends sieht man von der Straße aus sehr viele Tiere. Sie sind an die Autos und die aussteigenden Fotografen gewöhnt. Auf Wanderungen sollte man immer einen gewissen Lärmpegel erzeugen um die plötzliche Begegnung mit einem Bären zu vermeiden, aber dadurch verscheucht man natürlich auch alle anderen Tiere, lange bevor man sie gesehen hat.

Während des zweiten Aufenthaltes im Jahre 2014 war die Unterkunft zum einen wieder die Hütte in Mammoth und zum anderen eine am Lake Yellowstone, so konnten die Fahrstrecken doch erheblich verkürzt werden.

Wenn irgendwo von der Straße aus Tiere zu sehen waren, hielten alle Besucher natürlich an und wollten Fotos machen. Gerade tagsüber kommen dann schnell sehr viele Autos zusammen. Allerdings darf man nicht einfach auf der Straße parken, man muss das Fahrzeug komplett auf den Seitenstreifen fahren, sonst gab es Ärger mit den Rangern, die immer aus dem Nichts auftauchten und versuchten ein Verkehrschaos zu verhindern.

Es waren zwei phantastische Urlaube. Beide Urlaube waren im Herbst, in der Nachsaisons, aber es waren sehr viele Touristen unterwegs und schaut man sich die Besucherzahlen an, so werden es von Jahr zu Jahr mehr. Wenn man Natur pur sucht, muss man sich auf Wanderungen abseits der Hauptstraßen begeben. Ruhe im Park findet man vor allem früh morgens und spät abends. Es lohnt zum Sonnenaufgang bereits unterwegs zu sein, dann sind die Strassen noch leer und man hat gute Chancen ungestört das eine andere Tier zu sehen. Gleiches gilt für den Abend, sobald es anfängt zu dämmern lässt die Zahl der Touristen extrem nach und es wird schnell ruhiger im Park.


Nordwestlicher Teil - Mammoth und Norris Geyser Basin

Mammoth Hot Springs (Gigantische heiße Quellen) liegt auf einer Höhe von ca. 1900 Meter, in unmittelbarer Nähe des nördlichen Parkeingangs . Hier habe ich in einer der Cabins des Mammoth Hot Spring Hotels gewohnt.

In Mammoth liegen die großen Sinterterrassen die über die Jahre, durch immer weitere Ablagerung von Mineralien aus dem heißen Quellwasser, ihre Form und Größe immer wieder ändern. In den entstehenden flachen Becken siedeln sich Bakterien und Algen an, sie sind für die unterschiedliche Färbung der Terrassen verantwortlich.

Insbesondere Bisons und Wapitis sind in Mammoth täglich zu sehen. Am späten Abend hört man die Hirsche ringsherum auf den Hügeln röhren. Morgens, auf dem Weg zum Frühstück geht man oft dicht an den Hirschkühen vorbei, die zwischen den Gebäuden in der Morgendämmerung grasen.

Zu den Hirschbullen sollte man grundsätzlich einen größeren Abstand einhalten, insbesondere im Herbst wenn sie in der Brunft sind, dann sind sie sehr aggressiv und angriffslustig. Die Ranger haben oft Mühe die Hirschbullen und Menschen in der kleinen Siedlung unter Kontrolle zu halten, nicht selten werden Autos von den Bullen attackiert.

In der Hoffnung Bighorn Sheeps zu sehen, kann man die Old Gardiner Road (eine alte Schotterstraße, sie beginnt hinter dem Hotel) entlang fahren. Die Straße führt nach Norden, aus dem Park heraus und nach Gardiner. In dieser kleinen Siedlung gibt es einen Supermarkt, eine günstigere Tankstelle und in der Nähe der Motels auch freies Internet. Im Park hat man Handyempfang und Internet nur in unmittelbarer Nähe der großen Hotels (WLAN gegen eine recht hohe Gebühr).

Südlich von Mammoth Hot Springs liegt das Norris Geysir Basin. Es ist eine der wärmsten Gegenden im Park, die Quellen und Fumarole haben hier Temperaturen von über 90°C, das Wasser ist zum Teil alkalisch, zum Teil aber auch sehr sauer (pH 3.5). Jedes Jahr entstehen neue Fumarole und Quellen, die bestehenden verändern immer wieder ihr Aussehen.

Noch etwas weiter südlich liegen die Artists Paint Pots, hier findet man neben heiße Quellen und Geysiren vor allem Mud Pots (Schlamm Löcher). Das Blubbern und Spritzen von Schlamm ist ein lustiger Anblick.

Wichtig, unbedingt die Kamera und vor allem die Frontlinse vor den Wasserspritzern und dem Sprühnebel der heißen Quellen, Fumarolen und Geysiren schützen, das Wasser ist zum Teil extrem sauer und Schwefelhaltig.


Südwestlicher Teil

Am Besten man besucht zuerst das Besucherzentrum am Old Faithful, dort erhält man Informationsblätter über die einzelnen Regionen und ihre Geysire. Auf einer Anzeigentafel werden die wahrscheinlichen Zeitpunkte der Eruptionen der wichtigsten Geysire angezeigt, weitere Zeiten kann man direkt beim Personal erfragen. Mit diesen Infos kann man effektiv planen, wann man wo sein sollte um die Naturschauspiele zu erleben. Auch hier gilt, wenn man die bekannten Spots fotografieren will, ist die beste Zeit morgens oder am späten Nachmittag. Manchmal lässt sich die Mittagszeit natürlich nicht vermeiden, aus Zeitmangel oder weil der Eruptionszeitpunkt nun mal Mittags ist, dann sollte man früh da sein um einen guten Platz für die Kamera zu bekommen. Das Upper Geyser Basin hat die höchste Konzentration an Geysiren im Park und auch auf der Erde.

Der bekannteste Geyser ist sicher Old Faithful (der alte Getreue). Eine Eruption dauert zwischen 1,5 und 5 Minuten und erreicht eine Höhe zwischen 30 und 55 Metern, dabei werden zwischen 14.000 und 32.000 Liter Wasser in die Luft geschleudert. Dies geschieht alle 44-125 Minuten, der Zeitpunkt wird mit einer Genauigkeit von wenigen Minuten von den Rangern vorhergesagt. Weitere Geysire die hier regelmäßig ausbrechen, sind Castle Geyser (alle 14 Stunden mit einer Dauer von 20 Minuten) und Riverside Geyser (alle 6 Stunden, 20 Minuten lang) sowie der Daisy Geyser (alle 120-210 Minuten, Dauer ca. 3-5 Minuten).

Zumindest Riverside und Castle sind meiner Meinung nach optisch sehr viel schöner als Old Faithful, man muss allerdings weiter laufen und viel länger auf eine Eruption warten (die Vorhersagen sind auch sehr viel ungenauer), die Besucheranzahl ist dadurch aber sehr viel geringer.

Etwas weiter nördlich liegt das Midway Geyser Basin, hier findet man die Grand Prismatic Sping, die größte heiße Quelle der USA und drittgrößte der Erde. Sie misst 75 mal 90 Meter und hat eine Tiefe von 50 Metern. Jede Stunde strömen 120.000 Liter 70°C heißes Wasser aus der Quelle. Die Färbung am Rand der Quelle stammt von unterschiedlichen Mikroorganismen. Läuft man über die Stege entlang der Quelle kann man die Ausmasse und die Schönheit nur erahnen, wirklich sehen kann man es nur von einem erhöhtem Standpunkt oder natürlich aus der Luft. Dank eines großen Waldbrandes vor einigen Jahren, hat man von einem Hügel in der Nähe einen guten Blick auf diese einmalige Quelle. Der kurze Aufstieg und das Klettern über umgestürzte Bäume lohnt sich auf jeden Fall. Es ist ein atemberaubender Anblick. In einigen Jahren, wenn die jungen Bäume hoch gewachsen sind, wird man ihn leider so nicht mehr haben.

Noch weiter nördlich liegt das Lower Geyser Basin. Es besteht unter anderem aus der Fountain Paint Pot Area und dem Firehole Lake Drive.

Hier findet man den Great Fountain Geyser, er bricht alle 10-14 Stunden aus und erreicht eine Höhe von 31 Metern, ein beeindruckender Anblick auf den sich das Warten lohnt.



Nordöstlicher Teil

Neben der beeindruckenden Landschaft sind natürlich die vielen wilden Tiere die Attraktion im Park. Am häufigsten sind Bisons zu sehen, im Park leben etwa 3500, große Herden sieht man vor allem im Hayden Valley und Lamar Valley, aber auch zwischen Mammoth Hot Spring und Norris. Oft kommt es zu langen Staus weil die Bisonherden die Straße überqueren. Wenn man mit dem Auto inmitten einer solchen Herde steht und die großen Tiere direkt an einem vorbeilaufen, ist das ein beeindruckendes Erlebnis.

Noch zahlreicher sind die Wapitihirsche, hiervon gibt es je nach Jahreszeit 10.000-20.000. Vor allem im Lamar Valley sieht man Pronghorns (Gabelantilopen), hiervon leben etwa 300 im Park. Die Wapitihirsche, Mule Deers (Maultierhirsche), Proghorns und die Bisons sind nicht annähernd so scheu wie man das von unseren heimischen Tieren kennt und man kann sich Ihnen bis auf 20-30 Meter nähern. Man sollte natürlich immer die Reaktion der Tiere beobachten, wenn sie nervös werden oder sich langsam entfernen, sollte man nicht versuchen die Distanz weiter zu verkleinern. Wenn man alleine mit den Tieren ist, reagieren sie wesentlich entspannter als wenn sie einer Horde von Touristen gegenüberstehen. Wenn es ruhig ist, man sich selber ruhig verhält kommen die Tiere in seltenen Fällen auch schon mal von alleine näher.

So ist ein Proghorn mit 2 Meter Abstand an mir vorbeigegangen während ich auf dem Boden saß und zweimal waren mehrere Mule Deers in ähnlicher Distanz um mich herum. Sie haben mich natürlich im Auge behalten, haben aber friedlich gegrast. Daher gehe ich davon aus, dass sie sich nicht gestört gefühlt haben. Das ist dann natürlich ein besonders schönes Erlebnis, man sollte aber nie versuchen die Tiere zu streicheln oder sie gar zu füttern, es sind immer noch wilde Tiere und das sollen sie auch bleiben.

Hin und wieder sieht man Coyoten, immer einzelne Tiere, ein Coyote lief etwa eine halbe Stunde vor mir her, verschwand ab und zu im Wald und kam zurück auf den Weg. Manchmal kann man sie beim jagen von kleinen Tieren beobachten.

Viel scheuer und sehr sehr selten zu sehen sind Wölfe (120 Tiere), ich habe nur zwei gesehen, einer war sehr weit entfernt und der andere (vielleicht auch derselbe, es war am gleichen Tag und in der gleichen Gegend) lief direkt vor mir über die Straße und verschwand im Wald, das ging so schnell, dass ein Foto leider unmöglich war. Oft stehen im Lamar- und Hayden Valley Gruppen von Leuten mit großen Ferngläsern und Fernrohren, sie versuchen meist Wölfe in der Ferne zu erspähen, diese sind aber sehr weit entfernt, selbst mit einem 600 mm Objektiv konnte ich nur einen kleinen grauen Punkt erkennen - vielleicht ein Wolf, vielleicht aber auch nicht.

Schwarzbären sieht man ab und zu, auch sie sind meist weit entfernt und nähern sich dem Menschen nicht. Seltener sind die Grizzlys, einen hab ich gesehen, genau wie der Wolf lief er über die Straße und verschwand. Solange man im Auto sitzt ein tolles Erlebnis, ist man zu Fuss unterwegs kann so eine Begegnung extrem gefährlich sein. Im Frühjahr soll man deutlich mehr Bären sehen, sie kommen dann auf Nahrungssuche aus höheren Gebieten ins Tal.

Es gibt natürlich noch sehr viel mehr Tiere im Park, Adler, Fischotter, Dachse, Elche, ... und mit genügend Zeit und natürlich viel Glück begegnet man auch diesen. Im Lamar Valley, meiner Ansicht nach das beste Gebiet um Tiere zu sehen, ist mir ein Dachs über den Weg gelaufen. Ich konnte ihn bis zu seinem Bau verfolgen wo er verschwand. Ab und zu schaute er heraus, fauchte und zeigte seine Zähne. Eine empfehlenswerte Wanderung ist der Mount Washburn Trail. Er ist ca. 10 km lang und führt hoch auf den Mount Washburn (3122 Meter), von dort hat man eine 360°C Umsicht und bei gutem Wetter einen tollen Ausblick. Im Herbst kann es oben ziemlich windig und kalt sein, unbedingt eine warme Jacke mitnehmen. Der Trailhead ist am Dunraven Pass und immer gut besucht, am besten früh kommen.



Südöstlicher Teil

Im Südöstlichen Teil des Parkes liegt das Hayden Valley und der Grand Canyon des Yellowstone sowie der Yellowstone Lake.

Der Canyon ist 32 km lang, 300 m tief und hat eine Breite von 450-1200 Metern und wurde vom Yellowstone River in den Fels geformt. Es gibt zwei markante Wasserfälle, den Upper Fall mit einer Höhe von 33 Metern und den Lower Fall mit beachtlichen 93 Metern, er ist damit deutlich höher als die Niagarafälle. Es gibt mehrere Aussichtspunkte und eine kurze Wanderungen entlang der Kante ist möglich.

Über Uncle Tom's Trail gelangt man hinunter in den Canyon und auf eine Plattform mit Blick auf den Lower Fall. Die 300 Stufen sind zwar etwas anstrengend, besonders wenn man wieder hoch geht, aber der Ausblick entschädigt auf jeden Fall. Vor allem im Sommer kann man Regenbögen an den Wasserfällen sehen, im Herbst steht die Sonne dafür leider fast überall zu 

niedrig. Trotzdem, ein imposanter Anblick, die Wände des Canyons wirken in der Morgensonne wie gemalt, fast schon unrealistisch.

Der Yellowstone Lake, an dem auch das Quartier für die zweite Hälfte des Aufenthaltes lag, liegt auf etwa 2360 Meter und hat eine Fläche von 354 km², die Tiefe beträgt zwischen 40 und 120 Metern. Leider fuhren jahreszeitlich bedingt keine Ausflugsschiffe auf dem See, auch die Bootsvermietungen waren schon geschlossen. So bleiben die Fahrten am Ufer und ein Sonnenaufgang am West Thumb. Während des Wartens im Halbdunklen, bei Temperaturen nahe null Grad, heulten in der Ferne Wölfe und das Aufeinanderschlagen von Hirschgeweihen im nahen Wald war zu hören. Ein wunderbarer Morgen.



Was sollte man mit nehmen?

  • Weitwinkel für Landschaften

  • Teleobjektiv

  • Eine Teleobjektiv ist natürlich ein muss, 300 mm sollte es mindestens haben, 600 mm schaden sicher nicht. Vor allem Bären sind meist recht weit entfernt, ebenso Wölfe und Elche.

  • Polfilter

  • Ein Polfilter zum Fotografieren der vielen heißen Quellen, er nimmt die Spiegelung auf dem Wasser und die Bilder werden klarer.

  • Schutzfilter

  • Ein kontrovers diskutiertes Thema, ich würde sie aber auf jeden Fall empfehlen, die schwefelsäurehaltigen Dämpfe und Tropfen der Geysire schaden den Linsen, ich selber habe einen hochwertigen Polfilter verloren, er war nicht mehr klar zu bekommen.

  • Stativ

  • Natürlich ganz wichtig, insbesondere bei Aufnahmen mit langen Telebrennweiten.

  • Wanderschuhe

  • Kleine Snacks

  • Weil man morgens oft das Frühstück ausfallen lassen muss um rechtzeitig unterwegs zu sein, oder weil man mittags nicht in der Nähe eines Restaurants ist.

  • Bärenspray

  • Sollte man sich besorgen (gibt es in fast allen Geschäften im Park) insbesondere wenn man wandern geht, es ist die letzte Möglichkeit sich gegen einen Bären zu verteidigen. Am Ende des Urlaubes nicht gebrauchtes Spray kann man bei den Rangern abgeben.




Empfehlenswerte Reiseführer


Photographing Yellowstone Nationalpark - Where to Find Perfect Shots and How to Take Them Englischsprachiger Reiseführer mit vielen Tips für gute Bilder im Park. Er ist sehr übersichtlich gestaltet, geographisch sortiert und man kann ihn sehr gut für die Tagesplanung einsetzen. 


Photographer's Guide to Yellowstone & the Tetons In diesem ebenfalls englischsprachigen Photografen-Reiseführer sind die Locations nicht geografisch sortiert sondern thematisch. So gibt es z.B. ein Kapitel über Wasserfälle, eins über thermale Quellen und eins über Wildlife. Zusätzlich enthält er Informationen zum fotografieren in den Tetons. Gut geeignet für die Reisevorbereitung, allerdings fand ich das oben genannte Buch informativer und übersichtlicher.





Connect with me

  • Instagram
  • YouTube
mail_clipart.png

Affiliate

Thomas Schnitzler Naturfotografie